Schlagwort: Politikverdrossenheit

Warum ich mich für die CDU entschieden habe

Ein paar ganz private und persönliche Worte

Aktuell bin ich 60 Jahre alt und ebenso lange war ich ein eher unpolitscher Mensch – zumindest was Parteipolitik angeht. Ich ging seit meinem 18ten Lebensjahr brav zu den Wahlen. Zuerst einmal SPD (weils der Papa als Bergmann – ja auch wohl machte) und dann meistens CDU, als das geringere Übel. Meckern ohne zu wählen war mir immer schon zu wenig. Beruf und familie ließen wenig Zeit für parteipolitisches Engagement. Dann aber trat ich nach intensivem Abwägen im März 2018 der CDU bei und treffe des Öfteren seitdem auf ungläubige Gesichter.

“Wie kann man sich nur für die CDU entscheiden?” oder “Willst du sich wirklich mit den Alten identifizieren?” oder “Bist du nicht zu jung, um hier deine Energie einbringen zu wollen?” – so oder so ähnlich prallte ich auf manch eine Frage. Wobei mir auffiel, daß hier die CDU oft mit der SPD in einem Atemzug genannt worden ist. Parteipolitik genießt oft keinen guten Ruf.

Wie alles begann

Am Anfang stand bei mir ein Gefühl der Unzufriedenheit mit “denen da oben”. Ein Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber den großen Entscheidungen, die vornehmlich in Berlin getroffen worden sind.

Einzelne Richtungsentscheidungen und der eine oder andere Skandal hinterließen ein Geführl der Ohnmacht. Doch sollte das nicht so bleiben. Immerhin gab es in der Nachkriegsjahren durchaus auch Politiker, deren Wirken sich positiv auf unser Miteinander auswirkte. Dem will ich nachstreben.

Früher war nicht alles besser

Ich gehöre zu der Generation, die noch in den Ruinen des (hoffentlich) letzten Weltkrieges spielten. Was wir als Kinder dort fanden, war keine heile Welt – und dennoch spielten wir mit allem, was uns in die Finger kam. Manches läßt mich heute noch erschaudern, wenn ich denke, meine Enkel täten dasselbe heute. Auch die Luft im Ruhrgebiet war absolut nicht sauberer. Wenn Mutter die Wäsche im Hof aufhängen wollte, dann schaute sie erst auf den Kalender: Würde die Kokerei heute “abblasen”? und die Wäsche einfärben? Die Wohungen waren kleiner, die Zimmer sowieso und nicht jedes Kind hatte eigenes Zimmer und und garnicht Fernseher. Das gesamte Spielzeug paßte in einen einzigen Karton – und das reichte völlig aus.

Blick nach vorne

Vom Typ her bin ich ein lösungsorientierter Mensch mit recht wenigen Eitelkeiten. Nur zu nörgeln wie Statler und Waldorf (aus der Muppet Show) hatte ich mir nicht zum Ziel gesetzt. Ich wollte mich einmischen und wenn nötig auch unbequem sein. “Everybodies darling” war mir sowieso nicht in die Wiege gelegt. Und so habe ich mich auf die Suche gemacht. Grundlagenforschung war angesagt. Und so habe ich die Basics der Parteienlandschaft untersucht und mit meiner Wertevorstellung, Weltanschauung und Erfahrung abgeglichen.

Im Endspurt

Zuletzt blieb ich meinem christlichen Weltbild dann doch treu und fand in der lokalen Politik auch Menschen, mit denen ich hoffentlich hier in meinem Cronenberg. Inwieweit die CDU tatsächlich noch dem christlich-jüdischen Weltbild verpflichtet ist, lasse ich hier mal offen. Auch unser Stallgeruch ist hier nicht mehr so eindeutig, wie er mal geplant sein mag.

Doch irgendwann muß die Entscheidung mal fallen. Nach 58 Jahren wurde es auch mal Zeit. Ich habe ein Packende genommen und werde nun mitmachen. Wie weit ich komme und was ich noch schaffen kann, will ich hier nicht vollmundig ankündigen oder versprechen. Nur eines ist sicher: Ich stehe für das “C” in CDU (und danach auch noch für das “D” für Demokratisch). Lernbereit und zupackend will ich für meinen Ort, wo ich stehen darf, antreten für meine Mitmenschen und unser alle Enkel langfristig eine Zukunft zu sichern; immer den Blick auf das uns anvertraute Gut zu haben in dem Bewußtsein, daß man mich zur Rechenschaft ziehen wird. Wenn ich am Ende dann Treue bewahrt habe, dann wäre es schon genug.

Ich möchte denen danken, die mir bereits ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Vielleicht finden sich noch mehr Menschen, die hier ein Packende suchen? Gerne helfe ich weiter, das Richtige zu finden.

Dieser kleine Beitrag ist keine Lebensbeichte. Auch keine Rechtfertigung. Vielmehr soll er dem Leser Mut machen über seinen Weg nachzudenken und zu den Zupackenden zu gehören. In der letzten Zeit machen Schreihälse auf sich aufmerksam, die die (teils vermeintlichen) Verfehlungen der Altparteien aus der Vergangenheit mit einem verschrobenen Geschichtsverständnis gepaart mit Unwahrheiten kombiniert herausposaunen. Lassen wir uns von den falschen Posaunen nicht in den falschen Krieg führen. Säbelgerassel hat noch niemals Frieden gebracht. Riskieren wir es nie wieder. Was unsere Vorfahren erlebt haben, kann fast jeder in seiner eigenen Familie erfragen oder in Büchern nachlesen. Unser Frieden und Wohlstand darf gerne noch weiter gehen und sollte fließigen Zupackern nicht verwehrt werden. Pack mers, wie der Bayer sagt.

Cronenberg ist l(i)ebenswert !

Muß es erst Tote geben?

Diesen Vorwurf hört man so manchesmal, wenn sich Bürger über die Politik unterhalten. “Die da oben” tun nichts und bekommen “fettes Geld” sind da Standardfloskeln und dienen als Verstärker für die allgemeine Unzufriedenheit, Politikverdrossenhet wird zur Lebenseinstellung und automatisch ist der Schuldige für alle Probleme gefunden.

Beispiel gefällig?

Gerne. Hier in Cronenberg gibt es eine Verbindungsstraße von Solingen nach Cronenberg. Die sog. “Wahlert hoch ins Dorf” ist im Umkreis außergewöhnlich bekannt. Warum ist dies so? Von Solingen aus führt sie steil bergan und hat mehrere Kurven. Eine davon ist sogar eine Spitzkehre, die in bestimmten Kreisen auch als “Todeskurve” bezeichnet wird. Ihren Namen soll sie erhalten haben, als vor vielen Jahrzehnten hier ein Mannschaftstransporter in der Kurve kippte und es hier zu etlichen Todesfällen gekommen sein soll (so der Volksmund).

Nun ist es keine Überraschung, daß dieser Ruf und die Lage für eine spezielle Klientel einen gewissen Reiz ausübt. Und so “fliegen” junge Motorradfahrer (Cafe Hubraum ist ja nicht weit weg) ebenso gerne, wie verhinderte Rennfahrer mit ihren PKW durch die Kurven und genießen ihr Stück Freiheit.

Was hat das mit Politik zu tun?

Dagegen wäre auch nichts zu sagen – auch wenn mich als Anwohner das nächtliche Reifenquietschen manchmal nervt – wenn hier nicht immer wieder sich Unfälle ereignen würden und Unbeteiligte zu Schaden kämen. Dabei wird nämlich vergessen: Der öffentliche Staßenverkehr ist zu keiner Zeit und an keinem Ort eine Rennstrecke! Hierzu dient z.B. der Nürnburgring u.a. Strecken, die darauf ausgerichtet sind für schnelles Fahren.

Der aktuelle Fall – Tod eines Radfahrers durch einen PKW (offensichtlich kein “Rennfahrer!!) hat hier aber etwas deutlich gemacht. Der Gefahrenpunkt muß besser geregelt werden. Genug ist genug. Und genau hier kommt die Politik ins Spiel.

In der Bezirksvertretung Cronenberg (Anm. ein sog. Stadtteilparlament) wurde aufgrund des Antrages der CDU-Fraktion eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h beantragt und anschließend zur Abstimmung gegeben. Sicherlich hätte man sich auf die Polizei als Initiator oder besser noch die Verwaltung verlassen können, die hier hätten tätig werden können. Doch versteht sich die Politik als “Wachhund” und durchaus auch als Unterstützer des öffentlichen Lebens und so wurde der Antrag des stellvertretenden Bürgermeisters Michael G. von Wenczowsy auch schnell abgestimmt und verabschiedet.

Natürlich ist diese Maßnahme kein Allheilmittel. So muß auch der dazugehörende Fußweg dringend saniert werden und möglicherweise wäre es eine Lösung, wenn hier der Fußweg kombiniert werden würde und zu einem Fuß-und Radweg umgebaut werden würde. Immerhin wollen wir das Radfahren sicherer machen und dem grünen Gedanken sichtbaren Ausdruck geben.

Die Politik tut nichts?

Falsch. Im Gegenteil. Ich verfolge das politische Geschehen hier in Cronenberg nun spätestens seit Anfang 2018 doch sehr genau und schaue mir so manches an, um an Ende doch zu staunen. Aktuell erkenne ich hier sogar ein Spannungsfeld, wie ich es nie erwartet hätte. So arbeitet hier die Stadtverwaltung unter der Führung des Oberbürgermeisters sogar gerne mal ohne die Bezirksvertretungen und am liebsten augenscheinlich auch ohne die Vertretungen der CDU (Der OB gehört hier zur SPD!). So etwas hätte ich mir vorher nie träumen lassen.

Da kann ich mich doch nur wundern

Gehörte ich doch vor nicht allzu langer Zeit selbst zu denen, die das politisieren “denen da oben” überließen und habe es hingenommen, wenn schreckliche Erlasse und Gesetze beschlossen wurden, deren Auswirkunge wir noch in Jahrzehnten zu ertragen haben. Wir? Nein, unsere Kinder müssen dann damit leben.

Und so scheint Demokratie also auch zum Teil zu funktionieren. Wir Bürger dürfen “denen da oben” nicht das Feld für ihre Spielchen überlassen und müssen uns aktiv einmischen. In diesem Sinne freue ich mich sogar über Demonstrationen – immerhin wurde auf diesem Wege zum richtige Zeitpunkt die Regierung der DDR gestürzt. Auch Friday for Furture ist so ein Signal. Menschen machen sich Luft und schreinen ihre Ängste heraus. Und im Ergebnis gibt es doch noch Volks-Vertreter, die genau dies tun: Das Volk vertreten und das Beste der Stadt suchen.

Leider ist nichts vollkommen und die Reihe der Negativbeispiele durchaus lang. Doch darf dies mich niemals abhalten mich einzumischen, meine Stimme zu erheben nachdem ich zugehört habe und das Beste für MEINE Stadt und Land zu suchen.

Schade, daß ich dies erst recht spät in meinem Leben erkannt habe – aber besser spät als nie, wie der “Kleine Lord” zu sagen pflegte.

Nachtrag: Vielleicht wäre es auch hilfreich, wenn manche Strecken gesichert werden würden durch Blitzer, die den Durchschnitt eines Fahrers auf einer fest definierten Strecke ermitteln würden … ist aber nur so ein Gedanke 😉