Schlagwort: Energiewende

Ist Wasserstoff die Zukunft?

Vor wenigen Tagen haben wir, der Wuppertaler Stadtrat, mehrheitlich beschlossen, die Wasserstoffproduktuktion der WSW mobil GmbH für Wuppertal am Korzert als einen Teil der Gesamtlösung für die Verkehrswende zu postulieren und zu stärken? War dies eine kluge Entscheidung? Ist aus Müllverbrennung gewonnener Wasserstoff grün genug, um für eine Lösung zu sprechen, die tragfähig und verantwortungsbewußt ist? Ist die standortnahe Wasserstoffwirtschaft zu stärken der richtige Weg?

Ich habe mich, unter Abwägung aller wichtigen und mir bekannten Informationen, für eine Förderung und den weiteren Betrieb dieser Anlage der WSW an der Korzert entschieden aus folgenden Gründen:

  1. Grundsätzlich ist Wasserstoff ein geeigneter Energieträger, der als Abfallprodukt aus dem Auspuff ausschließlich Wasser verteilt. Abgase von Diesel oder Benzin fallen also nicht mehr an. Nachteil wäre, die recht hohe Explosionsgefahr, die es zu beherrscht gilt.
  2. Am Ende wird möglicherweise der Wasserstoff eher für Schwerlastverkehr, Busse und spezielle Fahrzeuge die Lösung sein. Die Masse der Verkehrsteilnehmer werden wohl “einfach elektrisch” unterwegs sein. Vom Roller, über das E-Bike bis hin zu E-Auto wird sich die Spanne der Möglickeiten spannen. Weitere Möglichkeiten sind denkbar.
  3. Leider produziert unsere Gesellschaft, wie sie aktuell agiert, eine Menge an Müll. Diese Menge nimmt sogar jährlich zu und wird nach entsprechender Sortierung letztendlich zu einem hohen Anteil verbrannt. Wenn ein Teil dieser Verbrennung zu einem nutzbaren Reservoir an Wasserstoff genutzt werden kann, um aktuell bis zu 10 Verkehrsbusse zu speisen, dann ist dies sicherlich nicht nur ein Experiment, sondern als ein Teil einer Gesamtlösung zu sehen, die Potential hat.
  4. Anzumerken wäre, daß der Müll nicht dauerhaft zur Basis neuer Antriebsstrategien sein darf, was aber auch nicht das erklärte Ziel ist. Wasserstoffproduktion ist auch auf anderem Wege möglich, der wesentlich umweltfreundlicher und “grüner” ist.

Die Verkehrswende ist nötig

Wir dürfen hier nicht zu idealistisch oder ideologisch denken. Natürlich ist die Verkehrswende zwingend erforderlich. Das qualifizierte Miteinander im Verkehrsfluß der Zukunft muß auf einander ganz neu abgestimmt und gesteuert werden.

Der Mensch ist von Natur aus ein mobiles Wesen und Warenstrom und menschliche Mobilität muß neu gedacht werden. Auch wenn wir in Deutschland nur 2 % der weltweiten Emissionen zu verantworten haben und somit dem weltweiten Klimawandel nur einen winzigen Anteil beifügen können, so liegt es in unserer Verantwortung das Unsrige zu tun, den Planeten zu erhalten. Es wäre kein Fehler, hier Vorbild zu werden.

Verkehrswende nicht ohne Energiewende

Eine umweltfreundliche Verkehrswende ist ohne eine Energiewende undenkbar. Atomkraft und Verbrennung von fossilen Energieträgern sind Geschichte und müssen kurzfristig abgelöst werden. Insgesamt gehört unser Umgang mit den Ressourcen in ein komplett neues Konzept, welches weg von zentralen Lieferanten hin zu einem digitalen, intelligenten und sauberem System hinführen muß. Die Infrastruktur liegt bereist zu weiten Teilen vor und ist durchfinanziert worden. Auch die viel gepriesene Windkraft ist nur ein Teil der Gesamtlösung.

Die CDU Cronenberger und weitere Wuppertaler Mandatsträger 2020 besuchen die Wasserstoffanlage Korzert (v.l.n.r.: Rainer Spiecker, Michael-G. von Wenczowsky, Holger Reich)

Schlußendlich muß und wird die Lösung eine elektrische sein. Ein Hebel dazu wird ein dezentrales Netzwerk an Solarparks, Solaranlagen – genauer gesagt Photovoltaikanlagen – auf Einrichtungen und Privathäusern sein. Speicherlösungen für die Eigennutzung, Zwischenspeicher für den Straßenzug oder Häuserblock und Großspeichersysteme, die vielleicht noch in der Erprobung sind werden unser Energiesystem zukünftig tragen. Die Sonne strahlt in unseren Breiten über 1.000 Watt pro Quaratmeter aus ohne uns eine Rechnung zu schicken, ohne Abgase und ohne ein absehbares Ende.

Photovoltaik als Nerv der Energiewende
Photovoltaik als Dreh-und Angelpunkt der Energiewende?

Und hier kommt vielleicht dann auch Wasserstoff (oder Alternativen?) ins Spiel, die der Umwelt weniger oder garnicht schaden. Energie geht nicht verloren, die wird immer nur umgewandelt. Dies gilt es zu erkennen und verantwortungsbewußt damit umzugehen. Jeder Einzelne ist gefordert. Die Politik kann hier nur helfen, Weichen stellen und Möglichkeiten aufzeigen. Wir sind keine Wissenschaftler, keine Ingenieure und selten fachliche Experten, die in den Werkstätten der Wissenschaft wirken. Aufgabe der Politik ist es, daß “Schiff” zu führen und den Experten im Heizungsraum und Technik ihren Platz zu überlassen.

Sektorenkopplung als Lösung

Wir müssen lernen, Energiemanagement völlig neu zu denken. Das Hochjubeln einer einzelnen Technologien ist ebenso falsch, wie das Verdammen einer anderen Technologie. Technik ist immer nur so vollkommen, wie die Menschen, die sie entwickeln oder benutzen.

Am Ende zählt es aber, die verschiedenen Energien miteinander zu verknüpfen und so eine Sektorenkopplung herzustellen (Sektorenkopplung = Verknüpfung von Mobilität, Hausenergie etc. in der Energiewirtschaft), die in einem energetisch sauberem Kreislauf endet. Nicht umsonst strahlt von Wuppertal aus das “Circular Valley” aus.

Dieser Weg ist sicherlich noch lang und auch steinig, doch unabdingbar für uns alle und kommende Generationen. Darum trage ich diesen Entschluß gerne mit und helfe so Zukunft aktiv und sicher zu gestalten.

P.S.:

Dieser Blogbeitrag ist keine wissenschaftliche Arbeit und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Er darf gerne zur Diskussion anregen und nach noch besseren Lösungen suchen helfen.