Diesen Vorwurf hört man so manchesmal, wenn sich Bürger über die Politik unterhalten. „Die da oben“ tun nichts und bekommen „fettes Geld“ sind da Standardfloskeln und dienen als Verstärker für die allgemeine Unzufriedenheit, Politikverdrossenhet wird zur Lebenseinstellung und automatisch ist der Schuldige für alle Probleme gefunden.

Beispiel gefällig?

Gerne. Hier in Cronenberg gibt es eine Verbindungsstraße von Solingen nach Cronenberg. Die sog. „Wahlert hoch ins Dorf“ ist im Umkreis außergewöhnlich bekannt. Warum ist dies so? Von Solingen aus führt sie steil bergan und hat mehrere Kurven. Eine davon ist sogar eine Spitzkehre, die in bestimmten Kreisen auch als „Todeskurve“ bezeichnet wird. Ihren Namen soll sie erhalten haben, als vor vielen Jahrzehnten hier ein Mannschaftstransporter in der Kurve kippte und es hier zu etlichen Todesfällen gekommen sein soll (so der Volksmund).

Nun ist es keine Überraschung, daß dieser Ruf und die Lage für eine spezielle Klientel einen gewissen Reiz ausübt. Und so „fliegen“ junge Motorradfahrer (Cafe Hubraum ist ja nicht weit weg) ebenso gerne, wie verhinderte Rennfahrer mit ihren PKW durch die Kurven und genießen ihr Stück Freiheit.

Was hat das mit Politik zu tun?

Dagegen wäre auch nichts zu sagen – auch wenn mich als Anwohner das nächtliche Reifenquietschen manchmal nervt – wenn hier nicht immer wieder sich Unfälle ereignen würden und Unbeteiligte zu Schaden kämen. Dabei wird nämlich vergessen: Der öffentliche Staßenverkehr ist zu keiner Zeit und an keinem Ort eine Rennstrecke! Hierzu dient z.B. der Nürnburgring u.a. Strecken, die darauf ausgerichtet sind für schnelles Fahren.

Der aktuelle Fall – Tod eines Radfahrers durch einen PKW (offensichtlich kein „Rennfahrer!!) hat hier aber etwas deutlich gemacht. Der Gefahrenpunkt muß besser geregelt werden. Genug ist genug. Und genau hier kommt die Politik ins Spiel.

In der Bezirksvertretung Cronenberg (Anm. ein sog. Stadtteilparlament) wurde aufgrund des Antrages der CDU-Fraktion eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h beantragt und anschließend zur Abstimmung gegeben. Sicherlich hätte man sich auf die Polizei als Initiator oder besser noch die Verwaltung verlassen können, die hier hätten tätig werden können. Doch versteht sich die Politik als „Wachhund“ und durchaus auch als Unterstützer des öffentlichen Lebens und so wurde der Antrag des stellvertretenden Bürgermeisters Michael G. von Wenczowsy auch schnell abgestimmt und verabschiedet.

Natürlich ist diese Maßnahme kein Allheilmittel. So muß auch der dazugehörende Fußweg dringend saniert werden und möglicherweise wäre es eine Lösung, wenn hier der Fußweg kombiniert werden würde und zu einem Fuß-und Radweg umgebaut werden würde. Immerhin wollen wir das Radfahren sicherer machen und dem grünen Gedanken sichtbaren Ausdruck geben.

Die Politik tut nichts?

Falsch. Im Gegenteil. Ich verfolge das politische Geschehen hier in Cronenberg nun spätestens seit Anfang 2018 doch sehr genau und schaue mir so manches an, um an Ende doch zu staunen. Aktuell erkenne ich hier sogar ein Spannungsfeld, wie ich es nie erwartet hätte. So arbeitet hier die Stadtverwaltung unter der Führung des Oberbürgermeisters sogar gerne mal ohne die Bezirksvertretungen und am liebsten augenscheinlich auch ohne die Vertretungen der CDU (Der OB gehört hier zur SPD!). So etwas hätte ich mir vorher nie träumen lassen.

Da kann ich mich doch nur wundern

Gehörte ich doch vor nicht allzu langer Zeit selbst zu denen, die das politisieren „denen da oben“ überließen und habe es hingenommen, wenn schreckliche Erlasse und Gesetze beschlossen wurden, deren Auswirkunge wir noch in Jahrzehnten zu ertragen haben. Wir? Nein, unsere Kinder müssen dann damit leben.

Und so scheint Demokratie also auch zum Teil zu funktionieren. Wir Bürger dürfen „denen da oben“ nicht das Feld für ihre Spielchen überlassen und müssen uns aktiv einmischen. In diesem Sinne freue ich mich sogar über Demonstrationen – immerhin wurde auf diesem Wege zum richtige Zeitpunkt die Regierung der DDR gestürzt. Auch Friday for Furture ist so ein Signal. Menschen machen sich Luft und schreinen ihre Ängste heraus. Und im Ergebnis gibt es doch noch Volks-Vertreter, die genau dies tun: Das Volk vertreten und das Beste der Stadt suchen.

Leider ist nichts vollkommen und die Reihe der Negativbeispiele durchaus lang. Doch darf dies mich niemals abhalten mich einzumischen, meine Stimme zu erheben nachdem ich zugehört habe und das Beste für MEINE Stadt und Land zu suchen.

Schade, daß ich dies erst recht spät in meinem Leben erkannt habe – aber besser spät als nie, wie der „Kleine Lord“ zu sagen pflegte.

Nachtrag: Vielleicht wäre es auch hilfreich, wenn manche Strecken gesichert werden würden durch Blitzer, die den Durchschnitt eines Fahrers auf einer fest definierten Strecke ermitteln würden … ist aber nur so ein Gedanke 😉