Sie gehört nicht zu meiner Partei und auch nicht zu meinen Grundvorstellungen von Gesellschaft und Miteinander, doch macht mich der Rücktritt der Parteivorsitzenden Andrea Nahles doch nachdenklich.

Immerhin hat es in der letzten Dekade reihenwiese Führungskräfte in der SPD gegeben, die ganz groß angefangen haben und dann stark fallen gelassen wurden. Besonders gut in Erinnerung ist die Erlöserfigur aus Brüssel Martin Schulz für mich. Was gab es doch für einen Jubel und Medienrummel um seine Person – und wie kläglich kam das Scheitern schon nach wenigen Wochen? Plötzlich war auch wieder ein ehemaliges Alkoholproblem ein Thema. Dabei sollte man vor dem Mann den Hut ziehen, denn fallen ist nicht so schlimm, wie liegen bleiben.

Umgang mit Führungskräften

Zunächst einmal sind Führungskräfte da, um zu führen. Diese Erkenntnis scheint heute nicht mehr zum Allgemeingut zu gehören. Eine ganze Generation denkt, wohl, man könne Führungskräfte in endlose Diskussionen einbinden um dann eventuell zu tun, was man gemeinsam beschlossen hat. So so funktioniert Führung nicht (bzw. nur teilweise).

Woran erkennt man eine Führungskraft?

Zu meiner Zeit als Soldat war diese Frage recht einfach zu beantworten. Soldaten haben ihre „Pickel“ (Dienstgrad) auf der Schulter (oder Oberarm) und die Hierarchie ist eindeutig geregelt. Auch bin Unklarheiten, wie gleicher Rang, gibt es Spezialanweisungen, so daß eine Einheit zu jeder Zeit handlungsfähig ist – was Führung anbelangt.

Im richtigen (privaten/zivilen) Leben ist das etwas weniger eindeutig. Doch auch hier gibt es Regeln. Lehrer sind die, die in der Schulklasse sagen, wo es lang geht; Abteilungsleiter bestimmen dies in den Geschäften und Firmen und so weiter.

Doch ist mir diese Definition ebenso zu kurz, wie die mititärische Rangfolge. Für mich ist das Kennzeichen einer Führungskraft die Tatsache, daß ihr Menschen folgen die ultimative Grundlage. So etwas nennt man Autorität. Autorität aber ist immer eine abgeleitete Macht. Niemand nimmt sich diese, es sei denn, sie ist ihm gegeben worden. Politiker sind nur so mächtig, wie der Souverän ihn mit Macht ausgestattet hat. Darüber gäbe es noch vieles zu sagen, doch bis hierhin muß es reichen.

Umgang mit Führung

Eine Führungskraft muß sich auf die Mitarbeiter verlassen können. Jeder Vorgesetzte ist klug beraten, seine Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu machen. Er muß nicht alles bis ins Detail erklären, doch müssen Mitarbeiter ins Vertrauen gezogen werden. Nur so ist es möglich im Extremfall („Kampfeinsatz“) auch einen Befehl zu geben, den man nicht erklären kann (Zeitnot) und doch zu wissen, die Mitarbeiter folgen, weil sie sich auf „den Chef“ verlassen können.

Gehorsam ist heutzutage eine seltene Eigenschaft. Die Gründe sind vielfältig und leider manchmal fadenscheinig und falsch. Für den gemeinsamen Erfolg braucht es beide Seiten: Erworbenes Vetrauen plus Gehorsam (nicht Kadavergehorsam!).

Ansprüche an Führungskräfte

Wer darf dann noch Führungskraft werden? Sollte man dann nicht besser nicht vortreten und sich anbieten?

Nein, es ist ein köstliches Ding, das Amt zu begehren, doch ist man auch verantwortlich für das eigene Leben. Vorbild zu sein gehört hier unbedingt zu den vielgelobten Basics, die auch hinterfragt werden dürfen. Bitte nicht falsch verstehen. Es geht nicht um Perfektion – dann wäre jedermann ungeeignet. Doch eine gute Charakterprägung sind unabdingbar. Steht jemand seinem eigenen Haushalt nicht gut vor, wie sollte er einer größeren Einheit ein Vorbild sein? und zeigen „so geht es“?

Fazit

Was gilt es hier zu lernen? Laßt uns nicht einander „benutzen“ und verbrennen. Burn out ist keine Option. Zuerst das eigene Leben „sauber“ und vorbildlich halten ist Priorität Nummer eins – und dann wolllen wir gemeinsam arbeiten und uns gegenseitig unterstützen und jeder wird genug zu tun haben. An dieser Stelle ewähne ich – völlig unvorbereitet – auch das schädliche Ämterhäufen. Wer ein Amt hat, der soll es ausfüllen – allzu viel Ämter verhindern genau dieses: Effizienz. Ein Amt ist kein Schmuck, sondern eine Bürde; eine Aufgabe, die einem Ziel dient: unserem Miteinander Stabilität, Sicherheit und gutes Auskommen zu sichern.

Au weia, jetzt klingt das schon, wie ein Politiker … dabei will ich doch Worthülsen vermeiden. Aber nein, es sind hier keine leeren Hülsen, weil wir sie mit Leben füllen müssen (wollen).

Bis demnächst Euer

Holger Reich