Kategorie: Europa

Aufruf zu mehr Menschlichkeit

Seit dem 01. März 2021 ist nun also Wuppertal offiziell eine Hafenstadt. Der Rat hat es besprochen und der Rat hat es beschlossen. Klingt zunächst einmal seltsam, ist aber so.

Doch hat dieser Beschluß einen durchaus ernsten Hintergrund. Die demokratischen Parteien im Rat der Stadt Wuppertal haben sich zu diesem Beschluß durchgerungen, weil es hier um gelebte Nächstenliebe und Barmherzigkeit geht. Viele Deutschen fühlen sich dem christlichen Glauben auch heute noch verbunden, was sicherlich unterschiedlich definiert wird.  Doch das Beispiel des „Barmherzigen Samariters“ (Lukasevangelium Kapitel 10) ist wohl fast jedem Deutschen bekannt. Im Ergebnis vereinfacht gesagt, geht es darum, dem Nächsten zu helfen, wenn er in Not geraten ist.

Darum wurde Wuppertal, im Verbund mit aktuell 234 anderen, deutschen Städten, zu einem „Sicheren Hafen“ für Flüchtlinge erklärt.

Dabei ist dem Rat nicht die Spannungsbandbreite, die dieses Thema mit sich bringt entgangen. Die Gegner sprachen dort von „Wirtschaftsflüchtlingen“. Im Ernst. Wann gab es Flüchtlingsströme, die nicht von Hunger und Armut begleitet wurden? Dazu müssen wir nicht einmal in die große Weltgeschichte schauen. Gab es doch auch vor nicht allzu langer Zeit Flüchtlingsströme aus Siebenbürgen, Sudentenland etc. die oft dramatischen Fluchtalltag erleben mußten – und nicht selten diesen nicht überlebten. Man kann heute noch die Eltern und Großeltern befragen und dabei ein Stück Geschichte aus erster Hand erfahren.

Auch die dramatischen Warnungen vor „einer Flut an Kriminellen“ wurden angehört. Und dennoch haben wir unser Wuppertal vor den Flüchtlingen nicht verschlossen. Natürlich kommen dort Menschen aus anderen Hintergründen. Kulturell, religiös und wirtschaftlich lebten diese Menschen in vollkommen anderen Verhältnissen. Und es kommen nicht nur die Edlen und gut gebildeten Neubürger. Auch Kriminelle mischen sich unter die Menge und suchen hier Fuß zu fassen. Doch sollen wir deswegen unser Herz verschließen vor bitterer Armut und Not?

Die Antwort auf diese Frage ist doch recht einfach. Natürlich müssen wir hier auch „Kante zeigen“. Konsequente Strafverfolgung tut Not. Unsere Einsatzkräfte müssen entsprechend geschult und ausgestattet werden, um Kriminelle zu identifizieren, dingfest zu machen und der Gerichtsbarkeit zuzuführen. Und dann muß unser Rechtssystem greifen und die Urteile zügig aussprechen und umsetzen, was unser System vorsieht. Wir fangen doch nicht bei Null an, unser Rechtssystem gehört heute schon zu den Besten dieses Erdenrunds. Verbesserungsbedarf gibt es da immer und wir müssen daran arbeiten. Doch Hartherzigkeit gegenüber Notleidenden ist keine Option eines Christen (und auch nicht eines Humanisten).

Dieser Signalbeschluß ist auch kein starres Konstrukt. Er ist ein Signal für mehr Menschlichkeit. Notleidende werden gerne aufgenommen und als Gäste behandelt. Gastfreundschaft ist auch heute noch ein hohes Gut, das gelebt werden will. Gerne geben wir einen Teil unseres Wohlstandes ab, lehren Sprache und Kultur und Werte.

Bei all der Hilfeleistungen werden wir natürlich nicht vergessen, hier mit Augenmaß und vernünftiger Großzügigkeit dem Vorbild des „Barmherzigen Samariters“ zu folgen und so dem Namen des gelebten Christen eine Ehre zu sein. Eine ausschließliche Abschottungspolitik ist für uns keine Option.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen wir die Packungsbeilage (d.h. das Herstellerhandbuch, auch Bibel genannt)

Deutschland hat die Wahl

Noch nie war eine Wahl so wichtig und hatte derart massive Auswirkung. Europa geht wählen. Ganz Europa? Nein. Immer noch gibt es Menschen, die von „der Politik“ enttäuscht sind und die Wahl verweigern oder ignorieren.

Verweigerung ist keine Option.

Wir schulden es unseren Kindern und Enkeln den Frieden zu sichern und eine Welt zu übergeben, in der es sich zu leben lohnt. Umweltschutz, Freiheit und Gerechtigkeit sollen nicht nur Schlagworte sein, sondern erlebte Realität – auch in 30 oder 50 Jahren. Darum nehmen wir im Hier und Jetzt die Herausforderung an.

Es geht um mehr, als nur den Verteilungskampf, Grenzsicherung oder schnelleres Internet. Unsere Nachkommen sollen mit ruhigem Gewissen ihre Kinder in diese Welt setzen können, weil Großvater „es richtig gemacht“ hat.

Wir nutzen die Kräfte

Doch wir sind ja nicht alleine. Junge Leute demonstrieren heuzutage (nicht nur während der Schulzeiten) und signalisieren, wie es um ihre Zukunftsängste steht. Wir wollen und wir müssen sie mit ins Boot holen und ihren Eifer und ihre Ideen mit bedenken und einfließen lassen, denn immerhin geht es um IHRE Zukunft. Sicherlich sind sie manchmal unbequem, realitätsfremd und übereifrig … aber, waren wir nicht auch mal jung? Und wären wir nicht froh gewesen, wenn man uns gefragt hätte. Darum laßt sie uns fragen.

Für ein gemeinsames Europa

Zunächst einmal ist Europa faktisch ja unantastbar. Es ist ein Erdteil, ein Kontinent, der auf der Landkarte zu sehen ist. Doch ist Europa auch eine Idee, eine Vision, an der wir arbeiten wollen. Die Zukunft heißt Europa. Denn Europa ist ein Staatenbund, eine Union, ein vereinigtes Europa, welches für Freiheit und Sicherheit steht. Unabhängige Nationen, die in Verbindlichkeit ein gemeinsames Ziel verfolgen und manch Hindernis überwinden können.

Europa ist noch nicht fertig. Es ist eine Baustelle, an der wir arbeiten wollen.